Spezial des Monats März 2014

Employee Volunteering - Gewinn auf allen Seiten

Wie gesellschaftliches Unternehmensengagement Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit steigern kann

 

Zwölf Führungskräfte eines international tätigen Konzerns besuchen eine Jugendeinrichtung.  Der Anzug bleibt im Schrank hängen, legere Arbeitskleidung ist gefragt. Heute wird angepackt – und das ganz konkret: Aufgeteilt in Kleingruppen werden die Flure gestrichen, es wird eingekauft und für alle gemeinsam gekocht. Die Führung übernimmt der leitende Sozialpädagoge gemeinsam mit den Jugendlichen, sie kennen sich aus hier, wissen was zu tun ist. Hier herrschen andere Regeln, werden Hierarchien neu gemischt. Das verunsichert auch gestandene Führungspersönlichkeiten, die sich zunächst nicht mit der gewohnten Sicherheit aber einer großen Portion Neugier, in dieser für sie recht fremden Welt bewegen. Die Unsicherheit weicht schnell und  gegen Abend herrscht eine gelöste Stimmung am großen Esstisch. Geschafft – die Wände sind gestrichen, das Essen ist gekocht!

Heute wurde echt was geleistet. Murat, der gerade aus der Schule geflogen ist und Gernot, der nach einem langen Arbeitstag oft das Gefühl hat, gegen Windmühlen anzukämpfen, nehmen sich zum Abschied in den Arm. Einen Tag wie diesen, haben sie beide noch nicht erlebt.

Aktionen wie diese, sind nur ein Beispiel für die Mitarbeit von Teams, einzelnen Mitarbeitern oder Führungskräften in gemeinnützigen Einrichtungen und Projekten. Eine wachsende Zahl von Unternehmen entwickelt Paten- und Mentoringprogramme, bietet ProBono Leistungen, wie z.B. die Entwicklung von PR-Strategien oder eines Corporate Designs für Soziale Initiativen, führt Spendensammelaktionen, Arbeitseinsätze und Aktionstage im Sozialen Bereich oder im Umwelt- und Naturschutz durch. Das Spektrum der Möglichkeiten ist riesig: vom eintägigen Unternehmenseinsatz bis hin zur langfristig angelegten Partnerschaft. Das sogenannte employee bzw. corporate volunteering nimmt im Rahmen der CSR-Strategie von Unternehmen stetig zu.

Die Zusammentreffen unterschiedlicher Lebens- und Arbeitswelten, der Transfer von Know-how, das Einbringen von Arbeitsleistung kann eine wichtige Bereicherung und Wertschätzung der gemeinnützigen Arbeit bedeuten und so setzen mehr und mehr Soziale bzw. Gemeinnützige Organisationen auf das Engagement von Unternehmen und bieten Möglichkeiten, sich partnerschaftlich zu engagieren.  Beim „corporate volunteering“ geht es anders als im Rahmen der gängiger Fundraising-Aktivitäten in erster Linie um „Friendraising“: Kommunikation, Begegnung und gemeinsames Gestalten spielen hier eine wichtigere Rolle als Geld- und Sachleistungen.

 

Worin liegt der unternehmerische Wert bzw. Gewinn solcher Maßnahmen?

Es funktioniert: Gutes zu tun und gleichzeitig die Unternehmensleistung positiv zu beeinflussen!

Und das aus gutem Grund: Unternehmen, die sich aktiv unter Einbeziehung ihrer Mitarbeiter sozial engagieren, leisten erwiesenermaßen einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit. Diese wiederum - das ist mittlerweile weitestgehend unstrittig -  kann die Produktivität eines Unternehmens deutlich befördern: Die Abwanderung qualifizierter Mitarbeiter wird verringert,  bestehendes Personal schöpft seine Potentiale besser aus, Zusammenarbeit und Motivation werden gestärkt.

Positive Effekte für Unternehmen sind jedoch nicht nur in Bezug auf die Wirkung nach innen spürbar. Gut kommuniziertes soziales Engagement kann die Reputation eines Unternehmens deutlich steigern und die lokalen Vernetzungsstrukturen stärken. Ebenso besitzt die bereits beschriebene Mitarbeiterzufriedenheit einen zunehmenden Einfluss auf das von außen wahrnehmbare Unternehmensimage: Über Bewertungs-Plattformen wie „kununu“, „mein Chef“ oder auch „Xing“, um nur einige zu nennen, gelangt die Mitarbeiterzufriedenheit mehr und mehr in das Licht der Öffentlichkeit und  beeinflusst die Bewerbersituation und somit die Auswahl geeigneter Auszubildender und qualifizierter Fachkräfte.

Die Wirksamkeit der Entsendung von Personal für Aktivitäten im Sozialen Bereich als Personal- bzw. Organisationsentwicklungsinstrument ist mittlerweile vielfach erprobt und wirksam auf vielen Ebenen so z.B.:

 

  • Im Bereich Teamentwicklung und –zusammenarbeit: Hier gilt es – anders als in klassischen Teamevents und –trainings - echte Aufgaben zu lösen, tatsächliche Herausforderungen zu meistern, Projektmanagement zu üben. Das hebt die Motivation und schweißt zusammen. Neue Rollen und Kommunikationsmuster können im Miteinander erprobt werden, die Teammitglieder lernen sich in einem neuen Kontext kennen und entwickeln funktionierende Modelle für eine reibungslose Zusammenarbeit 
     
  • In der Führungskräfte- und Mitarbeiterentwicklung: Die Mitarbeiter/-innen lernen ungewohnte Situationen und Anforderungen zu meistern, Aufgaben zu teilen und für Erfolge am Ende des Tages Verantwortung zu übernehmen. Sie machen Erfahrungen jenseits des beruflichen Horizonts, stärken ihre Sozial- und Kommunikationskompetenz und lernen in ungewohnten Situationen, Unsicherheiten und Blockaden zu überwinden.

  • Stärkung der Unternehmenskultur und Bindung der Mitarbeiter an das Unternehmen: Gemeinsam erarbeitete Ziele und Maßnahmen für Soziales Engagement und Verantwortungsübernahme stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl und befördern eine unverwechselbare Unternehmenskultur, die wesentlich zum kollegialen Zusammenhalt beiträgt.

  • Als Maßnahme zur Burnout-Prävention:  Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Erleben der Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns einen entscheidenden Beitrag zum Schutz vor Burnout und Erschöpfung leistet. Die Begegnung mit Menschen aus Organisationen, Initiativen oder Projekten im Nonprofit Bereich bricht  alltägliche Routinen  auf, Erfolge des Engagements werden rasch sichtbar und bleiben nicht abstrakt, das eigene Wirken kann als wirksam und bleibend  erlebt werden

 

 

Nur eine gute Vorbereitung führt ans Ziel

Mit der Begegnung von Profit und Nonprofit Bereich treffen Welten aufeinander, die nicht selten sehr unterschiedliche Arbeitsabläufe, Anforderungen und Bewertungsmuster kennen und ggf. gegensätzliche  Erwartungen und Projektionen entwickeln.  

Umso wichtiger ist eine strategische Vorbereitung und strukturierte Begleitung bzw. Auswertung des Gesamtprozesses. Dabei ist vor allem die offene und transparente Kommunikation über Ziele, Regeln und Rahmenbedingungen aber auch die Klärung bzw. Entwicklung von gemeinsamen Werten und Visionen besonders wichtig. Konkret gilt es, gemeinsam zu erörtern: wo wollen wir hin? was wollen wir erreichen? welche Erwartungen haben wir aneinander?

Hier können in beiden Welten erfahrene Projekt- und Organisationsberater oder aber Mittlerorganisationen wertvolle Partner sein.

Unternehmensengagement, das mit den Zielen, Möglichkeiten und Erfordernissen des Unternehmens und der gemeinnützigen Partner in Einklang gebracht wird, kann so seine Wirkung voll entfalten und zu einer deutlichen Stärkung des Unternehmens nach innen und außen beitragen.

 

Annika Westlake

Berlin, am 25. Februar 2014 

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